
Thomas Daniel Schlee über seine Musik:
“Mit meiner Musik suche ich die Spuren von Schönheit und Ausdruckstiefe, die aus den Tonkonstellationen hervorleuchten. Das ist nicht neu, aber eine stets wunderbare Herausforderung.
Eine Ästhetik der Verbote ist mir ebenso fremd wie die Wahllosigkeit der Stilmittel. Jede Komposition hat ihre Bestimmung und leitet aus dieser ihre Gestalt, den Ablauf der harmonischen Farben, die Beschaffenheit des melodischen und formalen Gefüges ab. Das sogenannte Material wird von der ersten Idee, der Inspiration, in Bewegung gebracht, um sodann in das Wechselspiel von Eigendynamik und Kontrolle zu münden: Dies ist die für den Komponisten aufregendste Phase seiner Arbeit.
Wenn das Material gerundet ist, das Ohr als höchste Instanz sein Urteil über die Folge der Klänge gefällt hat, dann entsteht, vielleicht, jener Zauber einer sprechenden Kunst, in der Erinnerung und Phantasie zum Werk verschmelzen.”
Thomas Daniel Schlee, 1997
Biographie
Dr. Thomas Daniel Schlee wurde am 26.10.1957 in Wien geboren. Er verstarb ebenda am 10. November 2025.

Ausbildung
1970-1976 Orgel (Friedrich Lessky), 1976-1983 Musikhochschule Wien: Orgel (Michael Radulescu), Harmonielehre, Kontrapunkt (Erich Romanovsky), 1976-1984 Universität Wien: Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Promotion zum Dr. phil., 1977/1978 Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris: Hörer der Kompositionsklasse von Olivier Messiaen, Privatschüler von Jean Langlais, 1982-1985 Komposition (Musikhochschule Wien, Klasse Francis Burt)
Tätigkeiten
1986-1989 Musikdramaturg am Salzburger Landestheater, 1988-1990 Musikhochschule Wien: Lehrauftrag, 1989/1990 Uni Salzburg: Lehrauftrag, 1990-1998 Musikdirektor des Brucknerhauses Linz und künstlerischer Leiter des Internationalen Brucknerfestes, 1995-1998 musikwissenschaftlicher Projektleiter der Guardini Stiftung Berlin, 1998-2001 Präsident, 2001-13 Präsidiumsmitglied der Guardini Stiftung Berlin und 2004-11 Vorsitzender in deren Musikbeirat, 1997/1998 Composer in Residence beim Wiener Concert-Verein, 1999-2003 Stellvertreter des Intendanten der Internationalen Beethovenfeste Bonn, 2004-15 Intendant des Festivals Carinthischer Sommer, 2008-2013 zudem Mitglied im Universitätsrat der Universität Mozarteum Salzburg; als Organist zahlreiche Konzerte und Rundfunkaufnahmen in Österreich und im Ausland, Mitwirkung bei wichtigen internationalen Festivals, CDs (ausgezeichnet mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, Diapason d’Or, 10 de répertoire, etc.).
Auszeichnungen
1982 Förderungspreis für Musik der Stadt Wien, Prix du concours international de Saint-Remy-de-Provence, 1983 Erster Preis beim Kompositionswettbewerb der Berliner Liedertafel, 1985 Preisträger beim Kompositionswettbewerb der Stadt Erding/D, 1989 Preisträger beim Orgelkompositionswettbewerb “Olivier Messiaen” Bologna, 1990 Chevalier des Arts et des Lettres, 1997 Joaquin Rodrigo-Medaille, 1998 Kulturpreis für Musik des Landes OÖ, 2002 Kirchenmusikpreis der Stadt Neuss, 2003 Förderungspreis für Musik des Österreichischen Bundeskanzleramtes,
2005 Officier des Arts et des Lettres, 2007 Kulturmedaille des Landes Oberösterreich, 2010 Österreichischer Kunstpreis für Musik, 2012 Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich, 2015 Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Kärnten
Aufführungen
Wiener Musikverein, Wiener Konzerthaus, Theater an der Wien, ORF-Sendesaal, Großes Festspielhaus Salzburg, Mozarteum Salzburg, Musikprotokoll im steirischen herbst, Philharmonie Berlin, Schauspielhaus Berlin, „Glocke“ Bremen, Staatstheater Mainz, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Konzil Konstanz, Liederhalle Stuttgart, Gewandhaus Leipzig, Tonhalle Zürich, Victoria Hall Genf, Teatro Monumental Madrid, Salle Pleyel Paris, Auditorium Maurice Ravel Lyon, Brucknerhaus Linz, Notre-Dame Paris, Kathedrale Barcelona, Kings College Chapel Cambridge, Festival Carinthischer Sommer, Kathedrale Tokyo, Weltjugendtag Köln u. a.
Zu den Interpreten der Musik Schlees zählen Sir Roger Norrington, Riccardo Chailly, Vladimir Fedosejev, Bertrand de Billy, Placido Domingo, Franz Welser-Möst, Pinchas Steinberg, Dennis Russell Davies, Sándor Végh, Manfred Honeck, Ralf Weikert, Leopold Hager, Christian Simonis, Lothar Zagrosek, Claus Peter Flor, Cornelius Meister, Heinz Karl Gruber, Zoltan Kocsis, Philippe Herreweghe, Maurice André, Heinrich Schiff, Ursula Holliger, Ildikó Raimondi, Bernarda Fink, Wolfgang Schulz, Walter Auer, Sharon Bezaly, Michael Martin Kofler, Silvia Careddu, Hansjörg Schellenberger, Marie-Luise Modersohn, Andreas Schablas, Milan Turkovic, Markus Schäfer, Alexander Krichel, Auryn Quartett, Quatuor Danel, Wiener Streichquartett, Klangforum Wien, Ensemble „die reihe“, Solisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden u.v.a.
Aufträge
Gesellschaft der Musikfreunde Wien, Wiener Konzerthausgesellschaft, SDR, Camerata Salzburg, Ensemble 20. Jahrhundert, Wiener Musiksommer, Mürztaler Werkstatt, OÖ Stiftskonzerte, Mariahilf-Kultur Graz, Cappella Nova Graz, Copenhagen Philharmonic Orchestra, Göttinger Symphonie Orchester, Württembergische Philharmonie Reutlingen, Internationale Beethovenfeste Bonn, Internationale Orgelwoche Nürnberg/Siemens Arts Program, Guardini Stiftung Berlin, Theater an der Wien, Kunstuniversität Graz, kunsthaus muerz, Ensemble „die reihe“, Bachfest Salzburg 2008, Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, Staatsorchester Stuttgart, Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Gewandhaus zu Leipzig, Int. Barocktage Melk, Musiktage Mondsee, Bamberger Symphoniker u. a.